Xecuter SX Lite angesehen und eingebaut – Gastbeitrag von Stefan Merki

Dies ist ein Gastbeitrag von Stefan Merki.

Über den Autor

Stefan Merki ist gelernter Systemadministrator und seit 1997 ein selbständiger Unternehmer mit der Webseite Merki.net.

Sein Einstieg in die Mikroelektronik ergab sich durch seinen täglichen Umgang mit Computer- und Netzwerkhardware und der Notwendigkeit, kleinere Lötarbeiten und Reparaturen selbst durchführen zu wollen. Mit dem Erscheinen der ersten Playstation und Xbox gehören auch Reparaturen und Modifikationen an Spielekonsolen zu seinem Repertoire. Seine professionelle Ausrichtung änderte sich 2013 mit dem Angebot der 3DS Capture Card – seitdem liegt der Schwerpunkt seiner Arbeiten in der Modifikation von Nintendo-Konsolen.

Was ist Xecuter SX Lite?

Im Februar kündigte Team Xecuter SX Core und SX Lite an – zwei Modchips zum Einbauen für die neuesten Switch-Revisionen, um diese ebenfalls mit einer Custom Firmware und Homebrew auszustatten. Gleichzeitig wurde auch ein Aufruf an die Installer/Modder der Community zum geschlossenen Beta-Test gestartet. Dabei lag der Fokus auf Personen mit Einbau-Erfahrung.

Ausgepackt

Die Auslieferung der Installations-Kits verzögerte sich aufgrund der anhaltenden COVID-19-Pandemie und den dadurch erschwerten Produktionsbedingungen in China bis in die letzte Woche vom Mai 2020.

Eine Information vorweg: Nach Aussage von Team Xecuter ist die gelieferte Hardware kein „production sample“, sondern wird in dieser Form auch an den Endkunden geliefert. Die Aufgabe der Tester sollte vielmehr darin bestehen, Feedback zur Installation in die Konsole zu geben und die dabei auftretenden, handwerklichen Probleme aufzuzeigen, sowie anschließend den Software-Test vom SX OS 3.0 auf den neuen Konsolen zu begleiten.

Ein SX Lite Installations-Kit; zum Vergleich liegt daneben eine Knopfzellenbatterie 😊.
Ein SX Lite Installations-Kit; zum Vergleich liegt daneben eine Knopfzellenbatterie 😊.

Das Kit besteht aus zwei Flachbandkabeln, die auf dem Mainboard der Switch aufgelötet werden und einer Hauptplatine mit dem Modchip. Für Debugging-Zwecke ist noch ein weiteres Flachbandkabel vorhanden, an dessen Ende ein Micro-USB-Port angebracht ist.

Die Hauplatine ist präzise bestückt und die Flachbandkabel sind qualitativ sehr gut. Eine Einbauanleitung liegt wie üblich nicht dabei und muss von der Webseite heruntergeladen werden.

Das SX Lite Installations-Kit erhielt ich am 18. Mai 2020 als einer der weltweit 80 für den Beta-Test qualifizierten Tester per Expressversand aus China. Zwei Tage später wurde in einer geschlossenen Chat-Gruppe für Tester die Kurzanleitung zur Installation veröffentlicht.

Eingebaut

Zu den leichten Dingen beim Einbau des SX Lite gehören das Öffnen der Konsole sowie des darunter befindliche Aluminiumshields und der Heatpipe, die den Nvidia-Prozessor kühlt. Dafür benötigt man einen normalen Kreuz- und Tri-Wing-Schraubendreher, die aber nicht im Kit enthalten sind.

Die Installation habe ich mit der Reinigung vom Nvidia-Prozessor begonnen, dessen Silizium Die und SMDs dick mit Kühlpaste beschmiert sind. Eine saubere Lötverbindung der SMD-Bauteile mit dem Flexkabel erreicht man nur, wenn der Prozessor mit Isopropanol oder Leiterplattenreiniger vorsichtig gereinigt wird.

Die Schwierigkeit beim Einbau des Modchips ist das Löten der Flexkabel, was insbesondere die SMDs am Prozessor betrifft. SMDs überhitzen sehr leicht oder werden dabei gelöst, wenn die Lötspitze zu lange oder mit falscher Temperatur gegen ein SMD-Bauteil gehalten wird.

Das zweite Flexkabel wird mit sieben kleinen Punkten am Mainboard der Switch befestigt. Dabei ist es wichtig, eine genaue Positionierung zu haben und zuerst die Ankerpunkte zu befestigen.

Voraussetzungen für diese Lötarbeiten sind mindestens eine Lupe und eine sehr feine Lötstation mit Lötspitzen von 0,5 mm Durchmesser oder kleiner.

Nachdem die Flexkabel gelötet sind, wird für den Prozessor eine kleine Menge an Silikonpaste benötigt, wie sie Beispielsweise bei CPU-Kühlern von PCs verwendet wird, um die originale Kühlleistung wiederherzustellen. Anschließend wird die CPU-Abdeckung eingeschnitten, um ein Knicken des Kabels auf ein Mindestmaß zu reduzieren (Knicken ist der kleine Tod vom Flexkabel! 😊).

Über Schnellverschlüsse werden die Flexkabel mit der Platine mit dem Modchip verbunden. Das flexible Ende des Modchips wird über einen etwas größeren SMD festgelötet und die Platine anschließend verschraubt.

Der Funktionstest vom SX Lite kann nach der Montage der Heatpipe durchgeführt werden. Die etwas zähere Paste, die sich dort befindet, muss nicht erneuert werden, da es durchaus reicht, diese wieder an die richtige Stelle zu bringen und wiederzuverwenden.

Jetzt kann der erste Start erfolgen! 😊

Angeschaut

Ein kurzes Aufblitzen einer blauen LED signalisiert den Glitch-Vorgang, der bei Erfolg durch ein durchgehendes grünes Leuchten ersetzt wird. Gleichzeitig erscheint die Bildschimausgabe mit der Frage, ob die SD-Karte mit der Boot.dat eingelegt ist.

Ein Start der Konsole war mit der zu dem Zeitpunkt als Download erhältlichen Boot.dat in der Version 2.95 nicht möglich. Alle Tester wurden aufgefordert ihre Installationsbilder dem Software-Entwickler als Beweis für einen Erfolgreichen Einbau zu übermitteln. Nach Erhalt der Vorabversion der 3.0 Beta war der erste Start in das SX OS möglich. Sofort wurde auch offenbart, dass der Modchip updatebar ist, indem die vorhandene Firmware auf Version 1.1 aktualisiert wurde.

Die genaue Funktionsweise der SX Core/Lite Modchips ist nicht offengelegt. Sie bedienen sich jedoch einer altbekannten Technik, die Team Xecuter schon viele Jahre zuvor angewendet hat – das Glitchen.

Mit dem Reset Glitch Hack (RGH) wurde 2011 Microsofts Xbox 360 erfolgreich gehackt. Dabei wurde der Prozessortakt der CPU beim Bootvorgang verringert und durch eine Folge an RESET-Befehlen ein Beschreiben der Speicherregister ermöglicht, infolge dessen ein modifizierter Bootloader gestartet werden konnte.

Team Xecuter wendet hier vermutlich wieder einen sehr ähnlichen Hack an. Die neuen Konsolen befinden sich keineswegs im RCM! Deshalb lassen sich auch keine der gängigen Payloads wie Hekate, Atmosphère, Memloader oder Lockpick RCM aus dem Bootloader von SX OS heraus ausführen. Anmerkung, da der Satz oft falsch verstanden wurde: Andere Payloads lassen sich booten, die bisherigen sind aber alle nicht kompatibel, da sie RCM-Payloads sind! Es muss also auf neue Payloads gewartet werden!

Um die verschlüsselten NAND-Informationen mit dem NxNandManager bearbeiten zu können, besteht jedoch weiterhin die Möglichkeit, die dafür notwendigen prod.keys mit der Lockpick.nro auszulesen.

Der Bootvorgang dauert in der Regel nur eine Sekunde, wobei es auch selten vorkommen kann, dass der Glich nicht gelingt. Das äußert sich darin, dass die Konsole bei Knopfdruck dunkel bleibt.

Fazit

Mein persönlicher Eindruck von dem SX Lite Installations-Kit ist durchweg sehr positiv.

Die Flexkabel sind hervorragend verarbeitet und passgenau! Es wurde auch an Ankerpunkte gedacht die eine einfachere Positionierung an die enorm kleinen Punkte gut ermöglicht. Das Format, sowie die Platzierung des Modchips sind smart gewählt und nutzen den sehr begrenzten Platz in der Konsole gut aus, ohne zu stören.

Mit einer Einbauzeit von ca. 30 Minuten für den ersten Versuch sehe ich es als ein gelungenes Kit an.

Der Schwierigkeitsgrad ist aufgrund der sehr kleinen Lötpunkte und des erheblichen Risikos einer Beschädigung der SMD-Bauteile recht hoch. Erwartungsgemäß ist aufgrund der fortschreitenden Miniaturisierung eine weitere Hürde die Notwendigkeit eines mindestens semiprofessionellen Werkzeugs. In meiner Werkstatt verwende ich eine JBC
NASE NT2-B Station mit 0,1 mm Lötspitzengröße und eine Lichtlupe mit 8 Dioptrien. Erfahrungsgemäß würde ich daher von einer Installation durch ungeübte Laien eher abraten.

 

WiiDatabase.de bedankt sich recht herzlich bei Stefan Merki für den Beitrag. Es wurden keine inhaltlichen Veränderungen vorgenommen.