Erneut sind auf 4chans /vp/-Board mehrere interne Dokumente von Nintendo geleaked worden. Der interessanteste Teil darin ist der Umgang mit Moddern aus der Homebrew-Szene.
Der erste Teil besteht aus dem Nintendo-Switch-SDK von Ende 2015. Enthalten sind Code-Beispiele, Anweisungen und mehrere Demo-Dateien. Zudem finden sich mehrere kompilierte Systemmodule in dem Archiv, allerdings können wir den genauen Einsatzzweck nicht bestimmen. Sowohl Dev-, als auch Release-Versionen von diesen sind enthalten. Auch Treiber zum Debuggen über USB sind enthalten. Mit dem "Target Manager" lässt sich sogar der Bildschirm der Switch lagfrei über USB-C zum PC streamen!
Der zweite Teil ist weitaus interessanter und enthält zahlreiche interne Dokumente zum DS, 3DS, zur Wii U und zur Switch. So sind mehrere Screenshots der 32C3-Präsentation zum 3DS enthalten. Abgerundet wird das Ganze durch mehrere PowerPoint-Präsentationen zum Thema Security in Bezug auf Nintendo-Konsolen. Auch mehrere Exploits, wie etwa memchunkhax2 werden angesprochen, deren Fix und dass diese Fehler nicht direkt, sondern "indirekt" behoben werden sollen, damit bei einem Diff dies nicht sofort auffällt. Auch eine PDF zum Memory Hashing und zur Encryption der Xbox 360 findet sich im Leak.
Der Teil, der am meisten Aufmerksamkeit erlangte ist die Beschreibung von einer Strategie, die Nintendo "Knock and Talk" bzw. "Belgian Waffle" nennt. So soll Nintendo mit einem Privatdetektiven u.a. den bekannten 3DS-Modder Neimod ausspioniert und nach Hause verfolgt haben, um mit ihm zu sprechen, damit er seine Modding-Aktivitäten einstellt, ansonsten würden rechtliche Konsequenzen drohen. Enthalten ist auch eine Klage gegen Neimod, eine detaillierte Beschreibung seines Lebensumfelds, eine Unterlassungserklärung, sowie ein "blanko" Non-Disclosure-Agreement. Neimod soll laut einer PowerPoint-Präsentation Interesse an einer Zusammenarbeit mit Nintendo gezeigt haben, um Gateway zu analysieren.
Das Ganze soll im Juli 2013 passiert sein, was auch etwa in den Zeitrahmen fällt, als Neimod seine Flickr-Bilder gelöscht hatte. Allerdings wurde auch spekuliert, ob es nicht daran liegen könnte, dass Neimod eventuell den ersten 3DS ROM-Dump publik gemacht hat.
Das Word-Dokument, welches die Runde macht, beschreibt ein Beispiel und nicht den "Knock-and-Talk"-Prozess, wie er wirklich abgelaufen ist, was leider durcheinander gebracht wird.
Dort sieht man auch, dass "Example" markiert ist, zusammen mit den Worten "mögliche Ergebnisse". Zudem ist dies auf April 2013 datiert.
Die Strategie soll funktioniert haben und weitere Ziele, wie etwa Yellows8, marcan und geohot (letzterer eher bekannt aus der PS3-Szene) wurden vorgeschlagen.

Ein Unterordner dreht sich ganz um Smealums NINJHAX bzw. "SSSpwn", wie er damals genannt wurde. Dort wird der Exploit im Detail beschrieben und man plante wohl, ebenfalls eine Vereinbarung mit Smea zu treffen. Schon hier berät Nintendo intern über ein Bug-Bounty-Programm, welches man erst Ende 2016 startete.
Alles in allem ist Nintendos Strategie, die Modder dazu zu bewegen, für Nintendo zu arbeiten und nicht mehr an Homebrew.
Im letzten Archiv finden sich wieder Dokumente, Präsentation und Excel-Tabellen zur Switch. Hier geht es vor allem um Switch-Cartridges und laut "Forest of Illusion" sollen hier auch ein älterer GameCard-ASIC-Key und ein Foto eines Switch-Prototypen liegen, der einem damaligen Fake-Leak sehr nahe kommt.
Sicherlich finden sich dort noch mehr spannende Sachen, allerdings wäre es sehr viel Arbeit, alles zu sichten und zu verifizieren. Insofern aber eine spannende Sache. Marcan berichtete wenig später auch, dass damals auch bushing auf seinem Arbeitshandy von einer Nintendo-Anwältin kontaktiert wurde, um ihn einzuschüchtern.




Ihr beschwert euch über EA? Nintendo ist das tiefste Tief in der Videospielbranche. Überrascht mich überhaupt nicht wie korrupt und heimtückisch Nintendo gegen Modder vorgeht. Das einzige was dieses absurde Verhalten überbietet ist deren freche Preispolitik für halbgare Ports.
Und dann überlege mal was die für ihren witzlosen "Online Service" verlangen. Ich mein', es stört mich nicht, dass die dafür 20 Geld im Jahr nehmen. Aber was man dafür bekommt ist ein Lacher. Da investiere ich das Geld lieber in MS oder Sony und kann da Spiele on mass spielen. Also, vollwertige. Was ich zur Zeit eh bei der Xbox mache.
Ich möchte hier nichts schönreden, aber es ist immer noch fairer als das, was Sony damals mit geohot gemacht hat.
Zur Erinnerung: Dem wurde ohne vorherige Ankündigung die Polizei mit einer Hausdurchsuchung an den Hals gehetzt, PCs wurden beschlagnahmt usw. Anschließend zerrte Sony ihn vor Gericht. Wie das ganze für Sony endete, ist Geschichte. (Einer der Gründe, warum Nintendo so agententhrillermäßig vorsichtig vorging.)
Ich kenne mich mit der ganzen Thematik um GeoHotvsSony zwar nicht aus, aber Nintendo müsste dann halt doch möglichst handfest nachweisen können, was an Reverse Engineering und Homebrew illegal ist und welcher Schaden ihnen wirklich entstanden ist, um vor Gericht zu gehen.
Aber wie Du schon sagst, ist ja der ganze Trick mit Selbstjustiz und in die Privatsphäre einzudringen für ein Konzern finanziell gesehen ein besseres Vorgehen, statt es vor Gericht langwierig, teuer und mit ungewissem Ausgang austragen zu müssen.
Aber wenn uns die Exploits der vergangenen Jahren eine Sache zeigt, dann wie sehr sich sämtliche Hersteller bemühen den Kunden in ihrem goldenen Käfig einzusperren (und darin zu melken).
Warum braucht es ambitionierte Entwickler und Hacker, um Spielstände extern zu sichern?
Warum bewirbt man die Emulation nicht als Feature? MS fährt mit der Strategie der Abwärtskompatibilität ja nicht schlecht und
auch wenn es kaum Jemand nutzt, ist es kostenlose Werbung.
Warum müssen denn die jap. Konsolenhersteller ggnüber den Moddern so negativ eingestellt sein?
Vorweg: Dass ich hier Begründungen aufzähle, bedeutet nicht, dass ich mit sämtlichen dieser Praktiken einverstanden bin.
>statt es vor Gericht langwierig, teuer und mit ungewissem Ausgang austragen zu müssen.
Das war garnicht das Problem. Das Problem waren diverse Racheaktionen aus der Community, die letztlich im großen PSN-Hack von 2011 mündeten und außerdem sehr viel negativ-PR für Sony verursachten.
>dann wie sehr sich sämtliche Hersteller bemühen den Kunden in ihrem goldenen Käfig einzusperren (und darin zu melken)
Das war nie anders. Siehe Sega TMSS beim Megadrive, Nintendos CIC im NES und SNES etc. Damit haben sie übrigens nicht nur die Kunden unter Kontrolle, sondern auch die Devs. Letzteres ist lange vielleicht sogar noch wichtiger gewesen.
>Warum braucht es ambitionierte Entwickler und Hacker, um Spielstände extern zu sichern?
Einerseits kann man damit Nintendo Online bzw. Playstation+ Abos verkaufen. Andererseits ist es ein wichtiges Einfallstor weniger – siehe die ganzen Savegame Exploits v.a. auf der Wii.
>Warum bewirbt man die Emulation nicht als Feature?
Das widerspricht Nintendos Geschäftsmodell um die Virtual Console. Virtual Console ist außerdem auch einfach nur Emulation – aber das ist ein anderes Thema.
>Warum müssen denn die jap. Konsolenhersteller ggnüber den Moddern so negativ eingestellt sein?
Das ist Microsoft auch. Die sogar seit der XBOX 360 am erfolgreichsten. Microsoft erlaubt nur seit der XBOX One sehr vorsichtig, eigene Software auszuführen, um der Community sämtliche Argumente für Modding, die NICHT Piracy sind, zu nehmen. Hat Sony mit der PS3 ursprünglich auch versucht, bis man OtherOS als Potentielles Einfallstor sah und entfernte – was aber auch hier das Gegenteil verursacht hat. Erst damit kam die PS3-Moddingszene nämlich überhaupt so richtig in Schwung.
Dadurch, dass man bei der XBOX für die Lizenz, eigene Software zu starten, auch noch zahlen muss, werden eventuelle Verluste durch geringere Spielverkäufe etc auch finanziell wieder ausgeglichen.
Ist mir klar. Es waren schlichtweg rhetorische Fragen, aber trotzdem danke für die Erläuterungen.
Also wie gesagt hat mich der ganze Rechtstreit zwischen GeoHot und Sony nie interessiert, weil ich den Typen so oder so nicht leiden konnte, was ich aber noch weiß, dass er mitunter Keys public gemacht hatte, was ganz eindeutig eine Verletzung des DMCA war und ist (wie man an PS3MCA sehen kann, dass nach wenigen Stunden von GitHub verschwunden war)!.
Ich fand sowas wie Graf Chokolo war jemand der tatsächlich etwas großartiges zur Homebrewszene der PS3 beitrug und nichts illegales getan hatte und trotzdem im Zivilprozess vor Gericht auf Millionen verklagt wurde.
Die Moral von der Geschichte ist halt dass WIRKLICH niemanden hier geschadet wird. Für mich ist es ein schlimmeres Verbrechen, wenn Firmen Hard- und Software künstlich beschränken. Die Switch könnte viel mehr, wenn keine Schranken in den Weg gelegt werden. Aber wieso man die Leute deshalb bestrafen soll, ist mir unklar.
DMCA ist kein Recht, es dient der Unterdrückung um es ganz salopp auszudrücken. Als Normalo hast du keine Chance, es bevorzugt Großfirmen. Nintendo hat auch schon 3x gegen uns DMCA geltend gemacht (bzw. gegen Google) und ich hab da keine Chance dagegen.
Die Frage ob Keys wirklich illegal sind, ist umstritten. Siehe auch der AACS-Key-Konflikt.
Zur Eigenanwendung teilweise legal, zumindest hier in Deutschland.
Aber Keys bewusst/mutwillig zu verbreiten ist illegal.
Es gibt kein DMCA-Recht in Deutschland. Es ist eine Frage, die noch nie wirklich geklärt wurde. Das wäre dann im Einzelfall zu entscheiden. Viele bekannte Modder und sogar Team Twiizzers haben schon den Common-Key der Nintendo-Konsolen verbreitet und sie stehen auch in unserem Wiki.
Es ist eindeutig eine miese Masche von Nintendo, dass diese Firma Modder wie Neimod privat ausspioniert. Ich habe sogar seinen echten Namen leider sehen dürfen, da man auf Twitter alles sehen kann.
Es gab da mal ein Video, bezgl. zum Ausspionieren von Leuten, durch Nintendo. Der verstorbene Etika hatte im Jahr 2018 ein Video gemacht, wovon er erzählte dass bestimmte Leute von Nintendo ausspioniert wurden.
Um ehrlich zu sein hab ich die "Knock and Talk" Taktik von Nintendo eher als "zu filmreif" abgewiesen, aber ich habe jetzt keine genaueren Dinge gefunden, die dagegen sprechen würden. Deshalb erschien der Beitrag auch erst so "spät" – ich wollte da auch wirklich sicher gehen und ich denke, dass hier schon die Wahrheit steht.
Ich bin absolut kein Fan von "Twitter-Journalismus", wie er insbesondere in Bezug auf Nintendo und Leaks betrieben wird. Irgendjemand twittert ein Bild, gibt einen Kommentar dazu ab und niemand hinterfragt es, niemand denkt nach oder sieht sich das Material mal selbst an. Letzteres ist natürlich schwierig für Leute, die sich nicht "mit der Marterie" auskennen – umso wichtiger ist deshalb ein objektiver, unaufgeregter Bericht, um klare Fakten von Gefühlen zu trennen, besonders jetzt, wo die Emotionen gegenüber Nintendo eh schon am Hochkochen sind (Smash, etc., falls es jemand mitbekommen hat). Wie bei "Stille Post" werden die Informationen weiterverbreitet, wo ich dann auch IRL oft sagen muss: "Hey, das war doch ganz anders?".
Anderen Seiten kommt das natürlich zu Gute, weil sich mit reißerischen Überschriften viele Klicks erzeugen lassen, was mehr Geld durch Werbung bedeutet. Das Problem hab ich nicht, da ich nicht auf Klicks angewiesen bin.
Man sieht ja auch, dass einige Details durcheinander gebracht wurden, bspw. mit dem Word-Dokument. Natürlich bleibt das immer noch ein starkes Stück, wobei man natürlich im Hinterkopf haben muss, dass Nintendo eine große Firma ist und es sicherlich nicht die einzigen sind, die so etwas betreiben. Aus Business-Sicht gesehen ist so eine Taktik natürlich ein cleverer Schachzug.
Ich gebe Dir schon Recht, aber einen Menschen auszuspähen, dass ist schon echt unter aller Kanone. Man merkt dass sich die Unternehmensphilosophie bei Nintendo nie so wirklich geändert/verbessert hat. Wird zeit, dass ich Nintendo internationalisiert.