Neues aus dem Land der Emulation: Auf Indiegogo ist ein Projekt aufgetaucht, welches eine "Retro-Konsole" mit dem Namen "Seedi" verspricht, mit der Original-Discs und ROMs abgespielt bzw. emuliert werden können. Allerdings verwendet das Projekt RetroArch – und will damit Profit machen. Die RetroArch-Macher mögen das natürlich gar nicht.
Es ist nicht das erste Mal, dass eine "Retro-Konsole" auftaucht, die viele ältere Konsolen in einer praktischen Box vereint. In den meisten Fällen wird das Frontend "RetroArch" und die Libretro-Cores verwendet. Diese stehen unter der GNU General Public License – eine kommerzielle Nutzung ist damit also eigentlich erlaubt. Zuerst sollte Lakka genutzt werden, allerdings enthält es nicht-kommerzielle Cores. Lakka ist ebenfalls ein RetroArch-Projekt.
In einem längeren Tweet kritisieren die Macher von RetroArch jedoch, dass solche Projekte "wie Parasiten" sind. Sie "kopieren die Arbeit anderer und sind nur aufs schnelle Geld aus". Man solle sich "das Geld sparen und nicht von solchen Leuten kaufen". Momentan steht die Konsole bei 12.570 US-Dollar von den benötigten 50.000.
Die Macher von Seedi verbergen ihre Intention auch gar nicht – so heißt es in einer Mail an RetroArch: "Wir werden RetroArch und weitere Projekte nutzen und wir haben das Recht, dies zu tun, da sie unter der GPL lizenziert sind. […] Wir verstehen, dass das nicht euer Wunsch ist (dass wir von Projekten anderer profitieren), aber ihr könnt nicht das Beste aus beiden Welten haben. " Man will jedoch "die Patreon-Kampagne [von RetroArch] unterstützen, wenn das Projekt erfolgreich ist".
Ein weiterer Hauptkritikpunkt des RetroArch-Teams ist die Berichterstattung in der Presse: So posteten u.a. auch deutsche Seiten die Story von Seedi – ohne die Situation mit RetroArch auch nur anzureißen. Es wird also Hardware beworben, die von Open-Source-Projekten profitiert und damit auch gar nicht hinter den Berg hält. Von Recherche keine Spur – dass man das Ganze auch komplett kostenlos per RetroArch hinbekommen kann, wird mit keiner Silbe erwähnt.
Update, 16:22 Uhr: Information bzgl. Lakka hinzugefügt.
Als ob die sich um Support kümmern, Hauptsache viele Leute kaufen das Ding und die machen fett Kohle. Danach verschwinden die.
Was für Arschlöcher… Mal hoffen dass die nicht weit kommen. Warum verwenden die Macher von RetroArch nicht eine Lizenz, die so einen Scheiß verbietet?
Weil das ja der Sinn ja von freier Software ist – leider gibt es halt immer solche, die so was schamlos ausnutzen und keine Moral haben. Relizenzieren geht ebenfalls nicht so einfach, da jeder sein "OK" geben müsste – und besonders die Autoren der Emulatoren (einige Cores stammen ja von den Emulator-Entwicklern selbst, einige vom RetroArch-Team) würden das wohl nicht so begrüßen.
Mit dem letzen Satz in dem Text hast du wirklich Recht. Zum emulieren bzw. abspielen von alten Retro-Spielen braucht man keine extra Konsole. Wenn ich alte Spiele nochmal spielen möchte, benutze ich darfür einfach Dolphin oder PCSX(2) am PC.